Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Grüsse von der Sonne Startseite

Fotos

passiert...notiert...

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

Artikel



Misereor-Hungertuch 2004 "Brot und Rosen"

Hungertuch Brot und Rosen

"Das hier ist ein Hungertuch. Jede und Jeder von Ihnen kennt den Ausdruck "am Hungertuch nagen", was soviel wie Hunger leiden, Armsein, bedeutet.
Woher dieser Ausdruck kommt ist Ihnen sicherlich weniger bekannt. Im frühen Mittelalter wurde in der Passionszeit der Alterraum mit großen Tüchern zugehängt, damit Altar und Kreuz ganz aus dem Blickfeld der Gläubigen entschwanden. Da viele Menschen in dieser Zeit nicht schreiben und lesen konnten, bemalte man später diese Tücher mit der Lebens- und Leidensgeschichte Christi. Genannt wurde diese Art der Bibel "Biblia pauper", Bibel für Arme. Der Brauch der Hungertücher war besonders in Westfalen verbreitet. Wer will kann heute noch in der Passionszeit eines dieser großen, alten Tücher in Telgte besichtigen.
Im Jahr 1976 griff das Hilfswerk Miserior diese Tradition wieder auf. Jetzt sollte aber weniger verhüllt werden, es sollte vielmehr die Tradition der bildlichen Darstellung wieder aufgenommen werden. Von vielen, engagierten Künstlern und Künstlerinnen aus Afrika, Lateinamerika und Asien gemalt sollten sie Einsicht in das Leben und den Glauben von Menschen fremder Kulturen vermitteln. Gegen Hunger und Krankheit in der Welt wurde Miserior von den katholischen Bischöfen 1958 gegründet. Die Sorge um die tägliche Nahrung von Leib und Seele zieht sich durch alle fünfzehn bisher erschienenen Hungertücher.
Dieses Hungertuch wurde von sieben Lateinamerikanerinnen, die zurzeit ihre Haft wegen Drogenkurierdiensten in einem Frankfurter Frauengefängnis verbüßen, zwei Künstlerinnen und einer evangelischen Pfarrerin hergestellt. Die Frauen waren mit viel Engagement bei der Sache. Sie sagten: "Wir redeten viel über unseren Hunger, über Gott, über das Leben in Lateinamerika und Deutschland. Manchmal diskutierten wir heftig. Aber am Ende malten wir gemeinsam ein Bild."
Die Struktur dieses Hungertuches greift eine moderne Sehgewohnheit auf: einen Computerbildschirm. Sie lädt ein, die kleinen Bilder anzuklicken.

Wir wollen das erste Bild anklicken: Brot und Rosen.
Mit diesem Symbol wird die zentrale Vater unser Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute" ins Bild gesetzt. Brot ist das Symbol für die Lebensgrundlage. 830 Millionen Menschen steht das "tägliche Brot" nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung. Auch die inhaftierten Lateinamerikanerinnen wurden aus Not zu Drogenkurieren. Sie hatten keine Möglichkeit des Broterwerbes.
Wir sehen Hände mit den Wundmalen Jesu, die das Brot teilen und den Wein ausschenken, Gaben, die Gott uns gibt. Wir sehen Rosen als Zeichen für Gottes Liebe. Die Liebe Gottes hat verschiedene Gesichter wie wir es im Gesamtbild sehen können.
Das Leben in Europa ist verschieden vom Leben in Lateinamerika. Es ist aber immer von der Liebe Gottes getragen. Die Liebe Gottes wird auch durch die rote Hintergrundfarbe dargestellt.
Durch Jesus Christus sind die Leibsorge und die Seelsorge nicht mehr zu trennen. Das kam in der Frühkirche dadurch zum Ausdruck, dass die Abendmahlsfeier, die Brotbrechen genannt wurde, Teil eines Essens war, bei dem alle zusammenlegten, egal ob arm oder reich (1. Korinther 11, 17-34). Das Idealziel der frühen Christen war - über ein solches Mahl hinaus - , was in der Apostelgeschichte von den Urchristen gesagt wird: "Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam" (Apostelgeschichte 4, 32).
Wo das Wunder geschieht, dass das Brot geteilt wird, bis alle satt sind, da kann auch die Teilung anderer "Brote", auf dem Bild symbolisiert durch die Rosen, verwirklicht werden, das Brot der Liebe und Zärtlichkeit, das Brot der Freiheit und der Menschenrechte, das Brot der Würde und der Selbstbestimmung.

Zum Abschluss der ersten Hungertuchbetrachtung ein Lied aus dem Jahre 1912, das bei einem Streik von 14.000 Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern in Lawrence, USA, entstand. Ihre Forderungen nach gleichem Lohn und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen verbanden sie mit den Symbolen "Brot und Rosen".
Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag, durch all die dunklen Küchen und wo grau ein Werkshof lag, beginnt plötzlich die Sonne unsere arme Welt zu kosen, und jeder hört uns singen: Brot und Rosen, Brot und Rosen! Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein besserer Tag. Die Frauen, die sich wehren, wehren aller Menschen Plag. Zu Ende sei: dass kleine Leute schuften für die Großen. Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen, Brot und Rosen!

Wir wollen uns durch das Hungertuch an Sinn und Hoffnung des Leidens Christi und Seiner Passion erinnern lassen."
(M. Stiftel, Prädikantin)


Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 13.04.2010 von: (fp)