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Maria in Andalusien ...



Virgen del Rosario Virgen del Rosario

Seit April 2003 leben wir in Andalusien. Maria begegnet uns hier auf Schritt und Tritt. Erste Eindrücke aus diesem so heftig von Maria geprägtem Land.

Viele Männer und Frauen tragen ihren Namen oder Namen, die mit Maria zu tun haben: Unbefleckte Empfängnis, Rosenkranz, Schmerzensreiche. Menschen werden nach Orten benannt, an denen Maria Menschen erschienen ist. Man führt Kosenamen, die von Maria abgeleitet wurden, dies gilt auch für Männer. Als wir erfuhren, dass unser Spanischlehrer Jesus heißt, machte es Mühe, am Tisch mit Jesus über Grammatik und Vokabeln zu reden, ohne dabei zu beten. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, mit beiden Jesus gleichzeitig zu sprechen.

Häuserwandaltar mit Maria Häuserwandaltar mit Maria

Maria steht als Statue in allen Kirchen, vielen Bars, häufig in Geschäften. Sie ist in Häusernischen zu finden und oft mit Blumen reich geschmückt.


Jede Stadt, jedes Dorf feiert seine Maria. Meist dauert so ein Fest eine Woche. Und dann steht alles still. Die Schulen sind geschlossen, Geschäfte auch. Alles ist auf den Beinen, wenn die öffentliche Messe für Maria zelebriert wird.
Während der Karwoche, von Palmsonntag bis Ostermontag wird sie, kostbar gekleidet und mit echtem Schmuck versehen, täglich auf großen Silberthronen durch die Straßen getragen. Wir sahen Throne, die von 400 Männern getragen werden. Das dauert viele Stunden. Die Tribünenplätze am Straßenrand kosten weit mehr als Karten eines Fußballländerspiels. Maria kam nie allein. Stets sahen wir als weiteren, zweiten Thron den von Jesus. Sie ist die Königin, ER der Gekreuzigte. Sie ist die trauernde Mutter, die um ihren Sohn weint.
Männer und Frauen reden zärtlich und ehrfürchtig von ihr. Dann ruft die Menge laut Maria Viva! zu. Sie schreien entzückt und ernsthaft. Sie weinen hemmungslos, wenn - wie in diesem Jahr - in Sevilla eine Prozession wegen starken Regens ausfallen muss. Sie singen auf der Straße wie Minnesänger ihr ein Lied. Die Menge lauscht, verstummt und hört respekt- und liebevoll zu.
Um beide Throne gibt es sehr viel Tradition. Bruderschaften, Legenden, Feste, Geschäft, Tourismus - alles rankt sich um die Himmelskönigin. Für uns Nordeuropäer erscheinen diese Prozessionen fast wie ein langer Rausch.

Warum ist das so? Was bewegt die Menschen hier, ob jung oder alt, sich so in diese Bräuche einzuklinken?
Wir hören: Maria schützt. Sie betet stellvertretend für den Menschen. Sie ist für viele im Gebet der Weg zum Vater. Direkt zu Gott zu sprechen, wer wagt sich das. Und Jesus steht zu hoch. Maria ist uns nah.
Maria versteht uns: Kummer, Trauer, Hoffnung, Zweifel. Sie ist die gute Mutter, die immer da ist. Auf sie ist stets Verlass. Sie wird für ihre Treue hoch geehrt.

Ob dies verständlich ist? Wer so fragt, den versteht hier keiner. Es ist so. Maria, die ewige Gottesmutter, hat ihren festen Platz im Herzen Andalusiens.