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Wie die Muschel auf den Altar kam

Jakobsmuschel

Hochzeiten gehören zu den Höhepunkten im Leben. An der Costa del Sol ist das nicht anders.
Lange hatte das Paar den Tag geplant. In einem der bekannten Nobelhotels Marbellas war die Feier vorbereitet. Die kirchliche Trauung sollte zuvor als Höhepunkt am Strand stattfinden. Der Blick führte über die Weiten des Meeres in die Ferne.
Jakobsmuschel

Der Manager des Hauses hatte alle Wünsche registriert, die für die kleine Zeremonie angesichts der gewaltigen Kulisse des Meeres am Strand nötig war: Altartisch, Decke und für die betagten Großeltern und Gäste ein paar Stühle. Kreuz und Kerzen hatte ich als Pastor mitgebracht. Für notwendige Dienste am Strand war extra ein Butler abgestellt. Er sollte alles richten.

Schon kam das Paar in Hochzeitskleidern und barfuss durch den Sand auf unsere kleine Strandkapelle vor dem Hotel zugeschritten. Sie lachten mindestens so glücklich wie die Sonne über ihnen schien. Die Gäste nahten hinter ihnen. Ein kräftiger Wind blies und ließ die Decke am Altartisch hochfliegen. Schnell bückte ich mich und belud die Ecken des Altars mit kleinen Steinen, um weitere Effekte eines Segels abzuwenden. Dann fiel mir auf: Es fehlt die Silberschale für die Ringe. Ganz sicher würde das Hotel sie stellen, so hatte man versichert. Wohin die Ringe?

Herr Butler, bitte, eine Silberschale für die Hochzeitsringe, schnell. Und eilig lief der los. Ein wenig außer Atem kam er zurück noch vor dem Brautpaar. Er brachte eine riesige Salatschüssel aus Glas. Ob die geeignet wäre. Was anderes fände er nicht.

Hochzeitsringe in der Salatschüssel - und das in einem Nobelhotel Marbellas. Was ist ein Pastor ohne Improvisation. Das Brautpaar stand bereit, der Butler guckte hilflos auf seine Salatschüssel. Schnell, sagte ich, los: Suchen sie Muscheln, am besten eine Jakobsmuschel. Und er lief los. Ein wenig merkwürdig guckten die Gäste. Dann kam er strahlend wieder. Er hatte eine gefunden. Darf ich noch um die Ringe bitten, war meine Frage an das Brautpaar?

Und dann lag auf dem Tisch des Herrn die Muschel, bereit als Schale für die Ringe. Und als nach dem Versprechen für das Leben der Augenblick des Ringtauschs kam, da reichte ich den beiden eine Muschel, aus der sie ihre Ringe nahmen als Zeichen der Verbundenheit und Treue. Und später nahmen sie die Muschel mit. Ein wunderbares Zeichen nicht nur für Marbella, sondern dafür, dass Gott es ist, der die Gemeinschaft segnet.

Denn Jakobsmuscheln sind in Spanien seit alters her ein Zeichen für den Pilgerweg des Glaubens, bei dem Gott selbst den Segen gibt. Bei jeder Trauung, die ich seitdem halte, empfängt das Brautpaar seine Ringe aus einer Muschel.

Und mir bleibt unvergesslich, wie sie zum ersten Mal auf den Altartisch kam.


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Zuletzt geändert am 13.04.2010 von: (fp)