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Weltgebetstag der Frauen 2006

Weltgebetstag 2006 Südafrika

Sign of the time - Zeichen der Zeit", war das Motto der Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag 2006. Frauen verschiedener christlicher Konfessionen aus Südafrika erstellten die Liturgie für diesen Gottesdienst.

So erlebten wir Südafrika - Frauenbild

Mitarbeitende unter Leitung von Margrit Stiftel hatten zu Gottesdiensten in Marbella, Torrox-Costa und Almunecar eingeladen. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren fanden alle Gebetsgottesdienste in den üblichen Gemeindegottesdiensten statt.
Die Kollekte der Gottesdienste war für Projekte des spanischen Weltgebetstags der Frauen bestimmt und unterstützt Fraueninitiativen in Südafrika.

Südafrikanische Frauen haben mit diesem Bild zum Weltgebetstag eingeladen. Sie beschreiben darin ihre Sicht ihres Heimatlandes Südafrika und bereiteten die Liturgie des Weltgebetstages vor.

An der Costa del Sol fanden folgende Gottesdienste statt:

  • Seniorenresidenz Almunecar, 19.02.2006, 11 Uhr

Einige Bilder aus El Angel in Marbella:

Prädikantin Stiftel
bei der Ansage
Altar Schmuck
aus Südafrika in den Farben
der Landesflagge
Mitarbeitende und
Gottesdienstbesucher
Gottesdienstbesucher
in El Angel

Prädikantin Margrit Stiftel hielt nachfolgende Predigt als Ansprache.

*1 Und es geschah, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: *2 Ihr wisset, dass nach zwei Tagen das Passah ist, und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt zu werden.
*3 Dann versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes in den Hof des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß, *4 und ratschlagten miteinander, auf dass sie Jesum mit List griffen und töteten. *5 Sie sagten aber: Nicht an dem Feste, auf dass nicht ein Aufruhr unter dem Volk entstehe.
*6 Als aber Jesus in Bethanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen, *7 kam ein Weib zu ihm, die ein Alabasterfläschchen mit sehr kostbarer Salbe hatte, und goss es auf sein Haupt, als er zu Tische lag. *8 Als aber die Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Verschwendung? *9 Denn dieses hätte um vieles verkauft und den Armen gegeben werden können. *10 Als aber Jesus es erkannte, sprach er zu ihnen: Was machet ihr dem Weibe Mühe? Denn sie hat ein gutes Werk an mir getan; *11 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. *12 Denn indem sie diese Salbe über meinen Leib geschüttet hat, hat sie es zu meinem Begräbnis[A] getan. *13 Wahrlich, ich sage euch: Wo irgend dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch von dem geredet werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Matthäus 26, 1-13

Könige wurden in Israel gesalbt, damit sie ihr Amt antreten konnten. Kranke wurden gesalbt zur Heilung (Jakobus 5, 14). Tote wurden gesalbt, um sie zu ehren, sie einzubalsamieren und auch ihren Verwesungsgeruch zu überdecken. Eine entsprechende ehrende Bestattung ist ein Liebeswerk.

Die Jünger murren, weil die Frau ein so kostbares Öl über Jesus ausschüttete. Das war ein maßloser Luxus in ihren Augen. So ein Fläschchen Öl kostete soviel wie ein Tagelöhner im ganzen Jahr verdiente, wenn er immer Arbeit hatte. Was hätte man mit diesem Geld alles machen können. Wie viel Armen hätte man zu essen kaufen können. Warum tat die Frau das? Jesus antwortete ihnen auf seine Art: "Diese Frau hat ein gutes Werk an mir getan. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber nicht. Sie hat meinen Leib für das Begräbnis gesalbt." Jesus nimmt da etwas voraus. Es ist für seine Beerdigung. Nicht nur den Kopf, den ganzen Leib hat sie gesalbt. Sie hat getan, was Liebende für die Geliebten tun. Die salbende Frau weist auf die Frauen, die sich nach Kreuzestod und Grablegung aufmachen, seinen Leichnam zu salben, ihn nicht vorfinden und stattdessen Zeugen der Auferstehung werden. Leiden, Tod und Auferstehung werden als zusammengehörig verkündet. Die Salbung der Frau ist somit angesichts des Todes auch ein Hoffnungszeichen. Sie hat die Zeichen der Zeit erkannt, dass es Zeit ist, mitzuleiden und mitzufeiern. Sie hält dem Tod etwas entgegen - nämlich die Feier des Lebens. Sie verkündet Osterfreude mitten in der Passion. Die Feier des Lebens beginnt damit, dass die Liebe dieser Frau Partei ergreift für den ungerecht Leidenden.

Sie hat genau verstanden, dass die Stunde des Abschieds gekommen ist, dass es Zeit ist für verschwenderische Liebe, für Übertreibung und Steigerung. Es ist Zeit für eine Liebe, die nicht rechnet. Die salbende Frau hat durch ihr Verhalten das Evangelium ausgelegt. Es lautet nicht: "Wir können schenken" sondern, "wir können empfangen". Die salbende Frau verweist auf das Geheimnis der Welt: "Wir leben von der unerschöpflichen schöpferischen Liebe Gottes."

Zwischen der Situation der Menschen in den Gemeinden zu Zeiten des Matthäus und den Erfahrungen schwarzer und farbiger Südafrikanerinnen gibt es Ähnlichkeiten. Die matthäischen Gemeinden sind als Teil der jüdischen Bevölkerung auch im Widerstand gegen die römische Besatzung und Unrechtherrschaft. Sie erfahren Unterdrückung, Ausbeutung und gewaltsamen Tod. Die Menschen dieser Zeit kämpfen auch gegen die Jerusalemer Führungsschicht - es gibt Konflikte zwischen den verschiedenen jüdischen Gruppen, aber auch innerhalb der Gemeinde, z.B. aufgrund sozialer Unterschiede, Rangstreitigkeiten und Verachtung der "Kleinen". Viele Frauen mussten zu dieser Zeit hart und oft unter unwürdigen Bedingungen für ihren Lebensunterhalt arbeiten.

Schwarze und farbige Menschen haben auf vielfache Art in ihrem Alltag dem Apartheidregime Widerstand geleistet und sich gegenseitig ihre Menschenwürde bestätigt. Schwarze und farbige Frauen in Südafrika klagen ein, dass - wie Apartheid - auch Sexismus nicht gottgewollt ist. Sie verstehen die Tat der salbenden Frau auch in einem weiteren Sinn. Der Leib Jesu wird gesalbt, der Leib Jesu sind wir - seine Kirche (Epheser. 4, 16). Das heißt also, dass Christi Leib - unser gemeinschaftlicher Leib als Kirchen und Gemeinde, HIV positiv und an Aids erkrankt ist. Eine solche Erkenntnis muss entsprechende Konsequenzen haben für unsere Verkündigung und das Handeln unserer Kirchen.

Jesus bestätigt immer wieder den Platz und gleichberechtigten Anteil der Frauen in der Nachfolgegemeinschaft. Er fordert Geschwisterlichkeit statt Hierarchie.

Frauen wollen gleichberechtigter Teil des Leibes sein, sie wollen Kirche sein. Sie wollen die Kirche aktiv und verantwortlich mitgestalten. Südafrikanische Theologinnen kritisieren, dass Frauen häufig in den Gemeinden nicht über die Verwendung von Geldern mitbestimmen dürfen, obwohl sie es sind, die durch ihre Arbeit die meisten Spenden einwerben und selbst auch am meisten spenden. In der Wertschätzung und Beteiligung der Frauen muss sich etwas ändern. Dazu müssen die Gemeinden beitragen und in die Gesellschaft hinein werben.

Wir sollten die Zeichen der Zeit sehen, sagen die Frauen. Dazu gehört auch, dass frauenkritische Texte der Bibel, die zur Unterdrückung der Frau herangezogen werden, genau hinterfragt werden. Rechtfertigen sie die Minderwertigkeit der Frauen und rechtfertigen sie ihre Unterordnung? Es ist immer wieder wichtig, zu betonen, dass die Unterordnung der Frauen nicht gottgewollt ist.

Frauen sind am meisten von Armut betroffen. Viele der südafrikanischen Frauen tragen die Last der Kindererziehung allein, weil die Männer entweder weit weg in den Bergwerken arbeiten oder sie verlassen haben, weil sie die Armut nicht ertragen konnten. Die Frauen müssen zusehen, wie sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen. Die Männer sind meistens nicht auffindbar.

Junge Mädchen und junge Frauen erleiden Gewalt in den Ghettos, weil Männer sich als die Herren betrachten.

Für Afrikaner und Afrikanerinnen ist es wichtig, in der Gemeinschaft zu leben. Deshalb möchten die Frauen, dass die Diskriminierung aufhört und sie gleichberechtigt in die Gemeinschaft eingebunden werden. Wir müssen uns als Glaubensgemeinschaft darum bemühen, dass die Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen in das Leben einbezogen werden. Wir müssen uns darum bemühen, dass HIV infizierte Frauen nicht mehr mit Tabu belastet und aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, dass wir sie umarmen und in Liebe mit ihnen umgehen.

Jesus, unser Herr, kannte nicht Reiche und Arme, nicht Gesunde und Kranke, nicht Männer und Frauen. Er kannte Menschen und er liebte sie unterschiedslos. Er ist Quelle der Hoffnung und Heiler von allem, was getrennt ist, krank und unterdrückt.

Erkennen wir die Zeichen der Zeit. Streben wir unserem Herrn nach.

Amen.


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Zuletzt geändert am 13.04.2010 von: (fp)