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Leitartikel SUR Deutsche Costa del Sol

SUR Deutsche Ausgabe, Donnerstag 27. September 2007, Seite 2 und 3

Alfred Scheller und Friedhelm Peters ALFRED SCHELLER UND FRIEDHELM PETERS.
Im Gespräch mit Sur deutsche Ausgabe ging es um Religion und Kirche in Málaga. / V. F.

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"Wir sind Leuchttürme für Gläubige an der Küste"

Der evangelische und der katholische
Auslandspfarrer, Friedhelm Peters
und Alfred Scheller, im Gespräch

Die Aufgabe der Auslandskirche ist
vor allem, Heimat zu schaffen

Die Pfarrgemeinden Torrox und
Marbella unterscheiden sich sehr

"In Deutschland hört
jeder die Kirchenglocken,
hier muss man werben"

VERONICA FRENZEL MARBELLA
Ist es anders an der Costa del Sol Pfarrer zu sein als in Deutschland?

Friedhelm Peters:
Total. Der wesentliche Unterschied für mich ist, dass es hier darum geht, ein Stück Heimat in der Fremde zu bauen, im Unterschied zum Ruhrgebiet, wo ich vorher gearbeitet habe. Das war Heimat.
Alfred Scheller:
Hier haben wir zwei Pfarrgemeinden, die weit von einander entfernt liegen. Die Leute sind hier bereit, 30, 40, 50 Kilometer zu fahren, um am Gottesdienst teilzunehmen.Wer kommt, ist auch dabei. Auch deshalb müssen wir erst eine Gemeinschaft, eben dieses von Herrn Peters angesprochene, zu Hause schaffen. Das versuchen wir mit einem Beisammensein nach dem Gottesdienst. Peters: Ich kann das unterstreichen. Der Pantoffelbereich in Deutschland umfasste fünf Kilometer. Hier sind es 150.

Sind die Menschen auch anders als in der Heimat?

Peters:
Hier an der Costa del Sol wohnt ein besonderes Klientel. Die meisten prägt das Selbstbewusstsein: Wir haben es geschafft. Denn wer hier ist, der hat auch was geschafft. Der hat es hinbekommen, neben seinem, meist noch verhandenen Wohnsitz in Deutschland, einen Wohnsitz in einer Traumregion zu schaffen, mit Sonne, Licht und Wasser. Dieses Selbstbewusstsein prägt die Menschen hier, macht sie dann aber auch für Wesentliches offen: "Wir haben so viel geschafft.Was zählt denn jetzt wirklich?" In Deutschland hatten wir den normalen Querschnitt durch die Bevölkerung: Jung bis alt, arm bis reich. Hier ist es ein ausgewählteres Publikum.
Scheller:
Das erlebe ich vorwiegend in Marbella, in Torrox ist das wieder ganz anders. Dort sind viele Leute, die krank sind und wegen des Klimas hier sind, die sich kleinere Häuser gebaut oder eine Wohnung gekauft haben. Der Unterschied zwischen den beiden Gemeinden ist sehr groß.

Wie sieht die Gemeindearbeit aus?

Peters:
In Deutschland war die Gemeinde eine feste Größe, da macht man von der Babyarbeit bis zur Seniorenarbeit alles, man deckt mit den diakonischen Einrichtungen das gesamte soziale Umfeld der Kirchengemeinde ab. Die Kirche stellt eine Art Netz dar. Hier sind wir darauf angewiesen, punktuelle Angebote zu machen, wie Leuchttürme, die irgendwo stehen, die die Leute sehen und sagen: "Hey, da lohnt es sich hinzugehen." Das soziale Umfeld im Kleinen muss hier jeder selber schaffen. Die Kirche ist hier wirklich nur die Antwort auf die wichtigsten Stationen im Leben, wie Taufe, Konfirma- tion, Hochzeit, Beerdigungen. Darauf konzentriert sich hier kirchliche Arbeit. Mehr geht auch nicht.
Scheller:
In Deutschland hat man die genauen Daten seiner Kirchengemeinde, wer wegzieht, wer dazukommt,wer austritt. Ich konn- te die Geburtstage raussuchen und gratulieren, hier habe ich nichts! Hier habe ich nur eine Veröffentlichung, den Pfarrbrief, und ich frage die Besucher, ob ich Namen, Geburtstag und Wohnort in meine Kartei aufnehmen darf.Wie Herr Peters sagt, sind wir hier Leuchttürme. Wer kommen will, kommt, wer nicht, eben nicht. In Deutschland hört jeder die Kirchenglocken, hier muss man richtig werben.

Ist es also schwieriger, Kontakt zu den Kirchgängern herzustellen?

Scheller:
Eigentlich ist es leichter. Der, der sich auf den Weg macht, ist bereit, sich einzubringen. Jeder hat Zeit. Deswegen schau ich beim Gottesdienst auch nicht auf die Uhr.
Peters:
Das Bedürfnis ist vorhanden, nach glaubwürdigen, seriösen Kontakten. Es ist sehr wichtig, dass die Leute wissen, der Gottesdienst ist immer an dieser Stelle, immer zu dieser Zeit. So können sich beide Kirchengemeinden in Fahrgemeinschaften arrangieren. Es ist auch schön, dass wir beide unser Angebot konzentrieren konnten. Das macht uns als Leuchtturm noch strahlender.

Vermischen sich denn katholische und evangelische Gemeinde?

Peters:
Ehepaare verschiedener Konfessionen können sagen, einmal gehen wir in den katholischen, einmal in den evangelischen Gottesdienst, dazwischen trinken wir gemeinsam Kaffee. Gott sei Dank ist das nicht nur bei uns als Kollegen unterschiedlicher Kirchen so unbefangen möglich, sondern auch zwischen Gemeindemitgliedern.

Wieso braucht es an der Costa del Sol, an der es ja christliche Kirchen gibt, deutschsprachige Pfarrer? Nur wegen der Sprache oder auch wegen des unterschiedlichen Religionsverständnis in Spanien?

Peters:
Jeder betet in der Muttersprache. Das ist in jedem Land der Welt so. Dabei geht es um die Hinwendung der Seele zur unsichtbaren Welt. Da greift nur die Muttersprache. Es ist völlig klar, dass die Kirchen in Regionen, in denen sich viele Deutsche im Ausland aufhalten, auch einen deutschsprachigen Gottesdienst anbieten.
Scheller:
Es ist natürlich richtig, dass es hier katholische Gottesdienste gibt. Wenn man hingeht und nichts versteht, ist das ein Problem. Gerade wenn man den Ablauf der Messfeier kennt, kann man auch am spanischen Gottesdienst teilnehmen. Denn es ist der gleiche. Aber wenn es ganz besondere Feste gibt, oder bei der Vorbereitung zu Kommunion, Firmung, Hochzeit, dann geht die Muttersprache tiefer ins Herz.

Würden Sie trotzdem sagen, dass es ein anderes Religionsverständnisses gibt in Spanien?

Scheller:
Hier in Andalusien ist es schon anders, die Kultur ist von der maurischen Geschichte mitgeprägt. Die Spanier machen zwar sehr schöne Musik, aber im Gottesdienst singen sie wenig. Die katholischen Gottesdienste sind meistens sehr schnell zu Ende.Deswegen sage ich, wir machen ein anderes Angebot.Wenn ich zwei Wochen hier im Urlaub wäre, würde ich natürlich erst einmal in den spanischen Gottesdienst gehen,um zu sehen, was die machen. Aber wenn ich hier länger wohne, dann würde ich eine Kirche suchen, in der man daheim sein kann.
Peters:
In Spanien hat es nie eine Reformation gegeben. Das hat dazu geführt, dass es keine Choräle gibt, denn das ist ein Kind der Reformation. Luther hat das Evangelium singend durch Deutschland getragen. Die Liturgie in Spanien ist anders geprägt. Die spanischen Kirchen sind reine Predigtkirchen, das merkt man schon an der Akustik. Es gibt auch viele mittelalterliche katholische Traditionen.
Scheller:
Wie die Bruderschaften, die sich an großen Festen und auch an der Gemeindearbeit beteiligen.

In Deutschland werden Kirchen geschlossen. Wie finanzieren Sie da Ihre Pfarrgemeinden im Ausland?

Peters:
In der evangelischen Kirche ist es so gelöst worden, dass vor zwei Jahren geregelt wurde, mit welchen Eigenanteilen sich die Auslandsgemeinden, je nach Lage und Umfeld, zu finanzieren haben. Für die Costa del Sol hat man festgelegt, dass ein Drittel selber zu finanzieren ist. Daraufhin haben wir einen Förderkreis gegründet, 'Steig ein', und so haben wir hinbekommen, dass Spenden und Kollekten unsere Arbeit mittragen. Andernfalls hätte die Stelle für die Zukunft keine Chance.
Scheller:
Bei uns ist kein genauer Betrag genannt. Ich hatte zwar schon lange Zeit im Kopf, dass man die Gemeinden in Deutschland nicht zu sehr belasten kann. Doch einfach ist es nicht, alles selbst zu bezahlen. Aber erst im vergangenen Jahr kamen zwei Briefe, in denen wir aufgerufen wurden, selbst zur Finanzierung beizutragen, da sonst Stellen gestrichen werden müssen. In Prag hatte gerade die deutschsprachige Auslandskirche zugemacht. Es ist ein freiwilliger und anonymer Betrag. Jeder muss überlegen, was ihm die Pfarrgemeinde wert ist.
Peters:
Jeder soll geben, was er kann. Einer bügelt gut Tischdecken für das Kirchkaffee, der andere backt Kuchen, der dritte hat ein offenes Ohr. All das zählt genauso. Aber Geld ist natürlich auch wichtig.
Scheller:
Ohne Moos nix los. Das gilt auch hier.

Aber das Bedürfnis nach Religion ist größer...

Peters:
Leute, die sich Freiräume geschaffen haben, sind für religiöse Fragen offen. Sie kommen quasi mit einem religiösen Vorzeichen, das auf Plus steht. Ich empfinde, dass durch diese Aufbruchsstimmung Offenheit für religiöse Fragen da ist.

Passiert es auch, dass Menschen deshalb Sekten zulaufen?

Peters:
Im deutschsprachigen Bereich sind mir Sekten nicht bekannt. Spanischsprachig scheint es sie in großer Zahl zu geben.

War es Ihre Entscheidung, an die Costa del Sol zu kommen?

Scheller:
Ich habe eine chronische Gelenkkrankheit und mein Arzt riet mir, dahin zu gehen, wo es trocken und warm ist. Da habe ich mich erkundigt, ob es eine Möglichkeit gibt. Ich erfuhr, dass es in Bonn eine Stelle der Auslandsseelsorge gibt und dann stellte sich die Frage, was passt: Südafrika, Chile, Mallorca oder Marbella. In Marbella war die Stelle zuerst frei.
Peters:
30 Jahre lang war ich in einer Arbeitergemeinde im Ruhrgebiet, dann waren unsere Kinder groß. Ich hätte mir auch vorstellen können, im Ruhrgebiet zu bleiben, doch ich habe mich dann mit meiner Frau im Ausland um eine Stelle beworben, um etwas ganz anderes kennen zu lernen. Marbella war die nächste Gemeinde, die frei wurde, und die Kirche wollte uns hier.

"Beten ist die
Hinwendung zu Gott.
Da greift nur
die Muttersprache"
"Ohne eigene Finanzierung
hätte die Auslandskirche
keine Chance"
"Durch die
Aufbruchstimmung
ist Offenheit für
religiöse Fragen da"


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Zuletzt geändert am 13.04.2010 von: (fp)